Donnerstag, 8. April 2010

amazon kindle DX

In der iPad Euphorie dieser Tage wird gern geschrieben das neue Werk Apples würde Amazons Ebook-Reader, den kindle in Bedrängnis bringen. Zwar hab ich kein iPad zum Vergleich, noch nicht es folgt so bald es am hiesigen Markt zu haben ist, aber den größeren der beiden aktuellen kindles möchte ich heute hier vorstellen.

Wer oder was ist kindle?
Der kindle (Kleinschreibung ist Absicht, weil Markenname) ist ein elektronisches Lesegerät aus dem Hause Amazon. Der Buchgigant hat damit bereits vor einigen Jahren am US Markt Erfolge gefeiert, und die eBooks einer breiteren Masse bekannt gemacht. Leider waren die Geräte der Generation 1 in Europa nicht zu haben, weshalb der eBook Markt hierzulande gegenüber den USA auch sehr klein ist.
Erst als Sony und Andere den hiesigen Markt zu erobern begannen entschied Amazon die Geräte der nun aktuellen Generation 2 auch in Europa zu verkaufen. Allerdings, und das ist etwas schräg, man muss die Geräte direkt in den USA ordern, und nach Europa importieren. Amazon Deutschland oder Österreich haben das Produkt im Laden auffindbar gelistet, aber leiten auf die US Seite um.

Anyways, Bestellungen über Amazon sind flott und sicher. Schade trotzdem, denn so fallen neben dem Produktpreis noch Importzoll, Steuer und Versand an und der Endpreis ist dem Kunden daher nicht einfach ersichtlich.



Genug zum Prozedere, wie sieht nun das Produkt aus?
Der, besser DIE, kindle sind flache Tablets mit monochromen Displays. Es gibt 2 Modelle, den etwa A5 großen kindle2 und den großen Bruder kindle DX. Technisch sind sie bis auf die Baugröße und damit verbundene bessere Auflösung beim DX fast identisch. Ich stelle hier den DX vor.

Anders als die herkömmlichen LCD Monitore wird das Bild mittels "elektronischer Tinte" aufgebaut. Das hat Vor- und Nachteile. Auf der Nachteilseite steht dass nur wenige Graustufen, und keine Farben darstellbar sind. Komplexe Grafiken oder Bilder sind somit nicht möglich. Da sich das Bild eher langsam aufbaut ist jedes "blättern" mit einer kurzen Pause verbunden. Man gewöhnt sich dran, und blättert eben schon um bevor man den letzten Satz gelesen hat, dann geht es nahtlos. Anwendungen wie Spiele, Animationen etc erscheinen aber unmöglich zu sein.
Auf der Habenseite steht extrem gut lesbare, scharfe Schrift die fast aussieht wie auf Papier gedruckt. Auch im prallen Sonnenlicht bleibt der kindle gut lesbar, und das in fast jedem Blickwinkel. Dazu kommt der extrem niedrige Energiebedarf. Die e-Ink Technik verbraucht nur beim Blättern Strom, eine Akkuladung soll für 5.000 Bewegungen reichen (bei deaktiviertem Wireless und ohne Nutzung des MP3 Players). Da liest man locker einen Urlaub durch ohne je nachladen zu müssen.

Unten am Display, das übrigens wie das iPad 9,7 Zoll Diagonale hat, ist eine Tastatur angebracht. Sie dient zum Suchen nach Textstellen, zum "surfen" sowie zum Einkauf im kindle Store.
Das Suchen nach Textstellen ist leicht. Man tippt einen Suchbegriff, der kindle sucht. Klappt gut und flott. Ebenso nutzt man das eingebaute englische Wörterbuch. Das ist im Übrigen sehr praktisch, kennt man ein Wort nicht (die Mehrheit der erhältlichen Inhalte ist Englisch), dann setzt man den Cursor davor und das Wörterbuch liefert prompt die Bedeutung.
Der kindle hat einen "experimentellen" Browser. Er kann grafikarme, einfache Seiten darstellen. Dazu kindle-optimierte Versionen von Amazon, Wikipedia und Google, sowie ein paar Andere. Auch textbasierte Blogs und eMail Dienste wie gMail sollten funktionieren. Jeder kindle hat ein GSM Modul an Bord mit dem es sich kostenfrei surfen lässt. In den USA jedenfalls, hierzulande ist die Browserfunktion sehr eingeschränkt da Amazon scheinbar keinen passenden Traffic-Deal ausverhandelt hat. Es erscheint die Meldung dass der Dienst lokal nicht nutzbar ist, und fertig. Nutzloser Browser.

Sehr wohl funktionieren tut Amazons kindle-store. Wie im klaren Vorbild, Apples iTunes Store, sind Inhalte direkt vom Gerät aus kaufbar und werden ohne Zusatzkosten drahtlos auf das Gerät geladen. Man "bestellt" das Buch, und lädt es sehr schnell runter. Will man erst schmökern, so kann man immer ein paar Gratisseiten als Vorschau laden. Schnell, praktisch, einfach - wie iTunes eben.

Der ebenfalls Experimentelle Bildbetrachter ist wegen der Graustufen für Fotos nutzlos, der MP3 Player ist einfach, aber OK. Wobei, er frisst Strom was den Vorteil des kindle zerstört und klingt schlechter als die meisten billigen Player, von iPod und Co ganz zu schweigen.

Zur Praxis:
Das Wichtigste kann der kindle sehr gut: Text Anzeigen!
Es liest sich wie in einem Buch, sehr klar, angenehm und auch im prallen Licht. Eigentlich NUR im Licht, den eigene Beleuchtung hat der kindle keine. Zwar fehlt der Charme echter Bücher, aber das Gefühl einen Buchladen voll Inhalt in der Hand halten zu können ist wirklich gut.
Das Gerät liegt gut in der Hand, ist recht leicht und sehr dünn. Ob im Hoch- oder Querformat, es lässt sich gut halten und bedienen. Der eigenbaute Lagesensor erkennt die Lage des Geräts und dreht bei Bedarf das Bild.

Der große DX ist dabei auch für Zeitungen OK. Den kleineren kindle kann ich mir nur für "Taschenbücher" vorstellen, denn bei Büchern ist die Schriftgröße am kindle wählbar. Bei am DX darstellbaren PDF nicht, weshalb diese am kleinen Gerät fast unlesbar wären. Das erklärt auch warum dem kindle2 der PDF Support fehlt. Wozu einbauen wenn er eh nicht sinnvoll nutzbar wäre?
Am DX wiederum sehen auch die - ebenfalls im kindle Store erhältlichen - Zeitungen gut aus. Siehe die FAZ:


Oder die New York Times.


Hier hat der kindle gegenüber dem iPad wohl die Nase vorn. Ein beleuchtetes LCD frißt mehr Strom, ist weniger angenehm lesbar und im Sonnenlicht quasi unlesbar (kennt man vom iPhone).

Trotzdem, das iPad KANN dem kindle zusetzen. Denn der DX kostet bei Amazon im Moment 489.- Dollar plus Steuer, Zoll und Versand. Das kleinste iPad 499.-
Das iPad aber kann um diesen Preis mit 16 GB Speicher aufwarten (kindle DX 4GB), einem zwar Flash-Losen aber trotzdem fast vollwertigen Browser, echtem Mediaplayer für Audio UND Video, brilliantem HD Display, tausenden Apps vom Spiel bis zum Mediaplayer usw.
Und, zu guter letzt, mit eigenem PDF und eBook reader. Apple verkauft AUCH Bücher im Store, zu ähnlichen Preisen, in Farbe. Und Apple lässt überraschenderweise auch die kindle app zu, sprich man kann kindle Bücher und Zeitungen auch am iPad kaufen und lesen. Ebenso wie die Bücher des Amazon-Konkurrenten Barnes and Noble (Riesen US Bücherkette) die ebenfalls einen Reader und eBooks vertreiben. Kurz: ALLE eBooks gehen am iPad, am kindle aber nur die hauseigenen. Ob das bessere Leseerlebnis durch die e-Ink all das ausgleicht? Für echte Leseratten wohl JA - immer und überall lesen, auch am Strand wo Apple versagt. Aber nur für die, wer nur mal ab und zu gerne was liest ist bei Apple wohl besser dran. Auch weil es für das iPad jede Menge Gratisbücher (100 Classics und Co) als Apps gibt, sowie vollfarbige Comics ;)

So bald mein iPad da ist gibts ein Review dazu. Bis dahin wird gekindlet ;)

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