Donnerstag, 7. Mai 2009

Leatherman Skeletool



Meist reicht im Alltag ein Messer völlig aus, manchmal braucht man einen ganzen Werkzeugkasten. Und dazwischen liegt der Bereich der Multitools. Nun ist es oft so, dass ein Tool groß, schwer und klobig ist, weshalb es zu Hause bleibt wenn man ohne Tasche oder in leichter Kleidung unterwegs ist. Um das zu verhindern gibt es das Genre der "basic tools", also der auf die wesentlichsten Funktionen beschränkten Multitools. Da auch ich nicht immer mein Swiss Tool Spirit mitschleppen möchte habe ich mir Vertreter dieser Gattung ausgesucht, heute: Das Leatherman Skeletool.

Das Skeletool beschränkt sich, seinem Anspruch nach, auf die wesentlichsten Funktionen. Dem entsprechend ist der Funktionsumfang wesentlich geringer als der von Full-Size Tools, und umfasst beim Skeletool

Klinge
Zange mit Draht- und Hartdrahtschneider
Bithalter mit 2 Doppelbits
Flaschenöffner
Karabiner

Das wars. Nicht sehr umfangreich, aber immerhin, die Grundfunktionen die man am häufigsten benötigt sind vorhanden. Neben dem Skeletool gibt es noch eine CX Variante des Tools, die mit 154CM Klingenstahl und Kohlefaserteilen am Griff lockt. Mehr Tools hat auch das CX nicht. 

Die Zange ist ganz OK. Zwar ist sie dünn und nicht grade kräftig gebaut, aber sie reicht für leichte bis mittlere Arbeiten aus. Für echte Aufgaben würde ich jedenfalls die Zange des Swiss Tool Spirit vorziehen, aber für Alltagsaufgaben ist die Zange des Skeletool meist ausreichend. Wenn ich umziehe (oder beim Umzug helfe) weiß ich das vorher, und nehme anderes Werkzeug mit. Drahtschneider funktioniert, Hartdrahtschneider bedingt. Bei echt hartem Draht würde ich dem Zängchen nicht vertrauen. 



Das Skeletool sieht ja spacig aus, aber bequem ist was anderes. Greift man die Zange bohrt sich entweder der Bit in den Handballen, oder man hat den unbequemen Flaschenöffner in der Hand. In beiden Fällen: Unbequem und wenig Vertrauen erweckend. 





Die Klinge besteht aus 420HC Stahl und ist glatt. Warum die Version mit 154CM Klinge über Teilwellenschliff verfügt, obwohl der 154CM schnitthaltiger und damit besser für die glatte Klinge geeignet ist weiß wohl nur die Leatherman Entwicklungsabteilung. Andersrum wäre es sinnvoller, aber sei es drum. Die Klinge verriegelt mittels Linerlock recht sicher und fast spielfrei. Der Stahl ist wenig schnitthaltig, aber einfach schärfbar und wird gut scharf. Ohne echtes Taschenmesser würde ich wohl am 420HC verzweifeln, aber als "Backup" Klinge ist er OK. Würde ich NUR das Tool und kein Messer dazu tragen, dann wäre der 154CM sicher eine Überlegung wert, so lohnt der doch nennenswerte Mehrpreis nicht. Einhändig bedienbar ist die Klinge jedenfalls, aber ausgelegt für Rechtshänder. Als Linkshänder der Übung mit Einhandmessern hat komme ich dennoch gut damit zurecht. 



Die Bits sind Leatherman Eigenproduktionen, soll heissen: Kein Standard! Verliert man einen Bit, dann ich Ersatz nicht an jeder Ecke zu bekommen. Wenigstens bietet Leatherman preislich nicht grade günstige Bitsätze an - so kann man das Skeletool nach eigenem Bedarf bestücken, oder mit dem Bitsatz den Funktionsumfang deutlich erhöhen. Die Flachbits sind bei Schlitzschrauben OK, bei Kreuzschlitz nicht optimal. Da merkt man die Einschränkungen der flachen Bits schnell. Serienmäßig sind 1 Doppelflachbit und ein Doppelkreuzbit im Lieferumfang. 





Der Flaschenöffner ist im Karabiner integriert. Er funktioniert, aber was sollte da auch nicht klappen. 



Zur Qualität: Mittlerweile ist mein Skeletool OK, neu aus der Verpackung war es das nicht. Die Klinge schlecht geschliffen, das Tool gratig und irgendwie verklebt. Peinlich, angesichts 80 Euro UVP. Ich habe allerdings nur die Hälfte bezahlt, die UVP ist bei Leatherman im deutschsprachigen Raum ein Witz. In den USA kosten die Tools meist weniger als die Hälfte. 

Das Skeletool ist nicht kleiner als andere Tools, es kommt von der Größe her an das Spirit heran. Das liegt am Karabiner, der zwar eine zusäzliche Tragemöglichkeit bietet, aber Platz einnimmt. Dafür ist es mit rund 140 Gramm recht leicht. Dank Clip lässt es sich dennoch recht gut tragen, und kommt daher eher mit als ein Heavy-Duty Tool. Leatherman selber führt es als Full-Size. Dem wird aber weder die kurze Klinge noch die dünne Zange gerecht. Irgendwie nicht Fisch, nicht Fleisch. 

Fazit: Das Skeletool erweckt bei mir gemischte Gefühle. Ich mag die Optik, und finde ab und an die Zange ganz hilfreich, mein Hauptgrund ein Tool zu tragen. Aber das Konzept hat Fehler. So wird der Platz nicht ausgenutzt, das Tool ist unnötig groß. Der Griff ist unbequem und die Klinge nur Mittelmaß. 

Anfang 2009 hat Leatherman in den USA ein neues Tool vorgestellt, wo einige der Fehler behoben scheinen. Am Freestyle fehlt der seltsame Karabiner (und damit der Flaschenöffner) sowie der Bithalter. Das Tool ist damit leichter und kleiner, verliert aber viel an Nutzwert. 
Für das Gebotene ist mir das Skeletool zu teuer, vor allem an der UVP gemessen. Zum Angebotspreis oder US Preis ist es ein brauchbares Leichttool für EDC Gelegenheitsnutzer. Ein echtes Arbeitstier ist es nicht, dafür verwende ich weiterhin das Vic Spirit. 

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